Eine weitere Entwicklungstendenz, die die Stadtentwicklung in den kommenden Jahren entscheidend beeinflussen könnte, bewirken die steigenden Energiepreise. Damit wird trotz Energiesparen und dem Einsatz von Alternativenergien zu rechnen sein. Diese wenigen Beispiele zeigen deutlich, dass sich Entwicklungen abzeichnen, die die Lebensbedingungen der Stadtbewohner in den kommenden Jahren grundlegend ändern und die Kommunalpolitik vor veränderte, zum Teil gänzlich neue Probleme stellen könnten. Die Stadtplanung muss permanent durchgeführt werden, um die Herausforderungen der Zeit zu erkennen und Maßnahmen zu setzen, die ein optimales Wirken für das Wohl der Bürger der Stadt ermöglichen. Die Planung ist daher nicht auf das Erreichen eines aus heutiger Sicht erstrebenswerten Endzustandes ausgerichtet, sondern sie ist ein Rahmen für die vielen Aktivitäten, die notwendig sind, um den Menschen das Leben in einer Stadt lebenswert zu machen. Eine Stadt entwickelt sich aber nur sehr langsam. Ihr räumliches Erscheinungsbild, ihre städtebauliche Struktur, das Netz der Verkehrswege und ihre Bauwerke können jedoch nur in sehr langen Zeiträumen nachhaltig verändert werden. Eine Stadtverwaltung braucht daher langfristige Ziele, die geeignet sind, die Fortdauer und die Stabilität der Planung zu gewährleisten. Veränderungen der Gesellschaft erfolgen im Gegensatz dazu viel rascher. Die wirtschaftliche Entwicklung, die Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur, die Einstellung der Bevölkerung zu wichtigen Problemen ändern sich schneller als die Stadtstruktur. All dies hat nachhaltige Auswirkungen auf das Erscheinungsbild einer Stadt. So ergibt sich zum Beispiel aus der abnehmenden Bevölkerungszahl und der geänderten Entwicklung in der Wirtschaft eine deutliche Entspannung des Bedarfs an Flächen für Siedlungen. Dennoch darf der Nachholbedarf nicht unterschätzt werden, der auf das Anwachsen der Siedlungsfläche pro Person zurückgeht. In den letzten Jahrzehnten konnte der Wohnungsbedarf weitgehend befriedigt werden, aber er ist noch nicht ausreichend gesättigt. Noch immer lebt rund ein Viertel der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen. Auch viele Betriebe klagen über räumliche Beengtheit. Die Produktions- und Lagerflächen sind zu klein geworden. Viele Betriebe, vor allem solche, die sich mit der Erzeugung beschäftigen, drängen zu neuen Standorten außerhalb des dicht bebauten Gebiets. Das gilt auch für soziale Einrichtungen. Kindergärten und Schulen, vor allem solche im innerstädtischen Bereich, sind oft nur unzureichend mit Freiflächen ausgestattet. Der Mangel an Parkgaragen und innerstädtischem Grün ist groß und verweist auf einen längst bekannten Missstand der Stadtstruktur. Historisch gewachsener Baubestand in dicht bebauten Stadtgebieten ist oft überaus groß. Dort gibt es zum Teil sehr enge Straßen, hohe Gebäude und enge Höfe. Wenn die Stadterneuerung in Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt der Kommunalpolitik sein soll, dann wird der historisch wertvolle Hausbestand zu schützen sein. Zu enge Hinterhöfe müssten beseitigt werden und zu große Bebauungsdichte müsste gemildert werden. Die Zusammenlegung von kleinen Wohnungen müsste ebenso ins Auge gefasst werden wie der Bau von Garagen und die Anlage von Grünflächen. Alle diese Maßnahmen laufen auf eine Verringerung von Wohnungs- und auch von Bauflächen in dem am dichtesten bebauten Stadtgebiet hinaus. Der daraus entstehende Bedarf an Ersatzflächen wird ein gewisses Maß an Stadterweiterung erforderlich machen. Dies führt zum Teil auch zur Auffüllung der noch dünn besiedelten Randgebiete, da der Bedarf an Wohnraum nach wie vor gegeben ist. Stadterweiterung und Stadterneuerung sind somit die sich ergänzenden Aspekte der Stadtentwicklungsplanung. Bei der Erneuerung des Siedlungsgebiets ist besonders auf den Zusammenhang zwischen Bebauung sowie Ver- und Entsorgung zu achten. Die Wohnungen, Betriebe und Gemeinschaftsanlagen müssen verkehrstechnisch gut erschlossen werden, und die Versorgung mit Energie, Wasser und Kanalisation muss ausreichend sein. Im dicht bebauten Stadtgebiet stammen große Teile der Versorgungsleitungen unter der Erde aus dem neunzehnten Jahrhundert. Sie bedürfen der Erneuerung ebenso wie die Bausubstanz über der Erde. Mit der Hebung der Wohnqualität erhöhen sich auch die Anforderungen an die technischen Einrichtungen. Das Ausmaß der Siedlungstätigkeit hängt vor allem vom Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur ab. Ziel der Stadtentwicklungsplanung soll es auch sein, in den einzelnen Stadtteilen möglichst gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen. Selbstverständlich können nicht überall in der Stadt gleichartige Lebensbedingungen erwartet werden. In einer Großstadt wird es immer wieder zur Konzentration bestimmter Einrichtungen kommen, man denke nur an Krankenhäuser, Universitäten, Einkaufszentren, aber auch an spezielle Sport-, Erholungs- und Freizeitzentren. Die Konzentration solcher spezifischer Einrichtungen macht die Lebensqualität in einer Stadt aus. Im zentralen Stadtgebiet werden im Allgemeinen die Vorzüge der Kommunikationsdichte und der räumlichen Nähe zu zentralen Einrichtungen mit dem Mangel an Grünanlagen und Erholungsgebieten erkauft. Man wird auch mehr Lärm und Schadstoffbelastungen in Kauf nehmen müssen. Umgekehrt bieten am Stadtrand und im Umland das Wohnen im Grünen und die besseren Umweltverhältnisse einen Ausgleich zur schlechteren Versorgungslage und Erreichbarkeit. Nach wie vor ist jedoch die Forderung nach möglichst gleichwertigen Lebensbedingungen, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen, ein grundlegendes Ziel der Raumordnungspolitik. Es verlangt die Schaffung oder auch die Erhaltung einer Grundausstattung an Umweltqualität, an Versorgungs- und Verkehrseinrichtungen für die Sicherung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung in allen größeren Teilräumen der Stadt.